Mit den Habsburgern kamen die Harmonika und die deutsche Sevdalinka – Eine Analyse der deutschen Übersetzungen des bosnischen Liebeslieds als Form der Kulturvermittlung in der Regierungszeit der Habsburger

Autor: Emina Ribo, BA, BA

 

Mit der Okkupation Bosnien und Herzegowinas durch die Habsburger im Jahr 1878 und der Annexion des Landes 30 Jahre später trafen zwei religiös sowie kulturell unterschiedliche Welten zusammen. Nicht umsonst wurde das neue Reichsland der Habsburger als Schnittstelle zwischen dem „Orient“ und „Okzident“ betrachtet. Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die Kulturvermittlung zwischen diesen Polen anhand der Sevdalinka, einem traditionellen und bis ins 16. Jahrhundert zurückgehenden bosnisch-herzegowinischen Liebeslied, zu rekonstruieren.

Genauer werden zu diesem Zweck die deutschsprachigen Sevdalinka-Übersetzungen aus dem Zeitraum von 1878 bis zum Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 herangezogen, wobei das Korpus auch aus Übersetzungen vor diesem Zeitraum aufgrund ihrer Rezeption im Kaiserreich besteht. Es wird von der Hypothese ausgegangen, dass die Sevdalinka-Übersetzungen bewusst zur Kulturvermittlung des neuen Reichslandes und seiner Integration in das Kaiserreich eingesetzt wurden. Auf diese Weise konnte den deutschsprachigen ZieltextleserInnen diese bis dato fremde Kultur nähergebracht werden.

Eine weitere Hypothese geht davon aus, dass die Vermittlungsfunktion der Sevdalinka-Übersetzungen insbesondere aus der Beibehaltung der kulturellen und islamischen Elemente der Sevdalinka hervorgeht. Das Korpus für diese Untersuchung besteht aus insgesamt 58 Übersetzungen, wobei für die Hypothesen die begleitenden Paratexte besonders erkenntnisbringend waren. Als Analysemodell wurde sowohl die Paratextanalyse von Gérard Genette als auch das Modell der Culture-specific Items (CSI) von Javier Franco Aixelá angewandt. Unterstützend zur Diskussion der Ergebnisse wurden die Machtkonzepte des Orientalismus von Edward Said und des Balkanismus von Maria Todorova als Grundlage herangezogen.

Die Ergebnisse der Untersuchung konnten beide Hypothesen bestätigen und ein grundlegendes Interesse für das Land durch einen als positiv wahrgenommenen Orientalismus nachweisen.

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